Wu Xia – Dragon

By | 6. März 2014

Nachdem ich mir in letzter Zeit vor allem die aktuellen Großproduktionen der amerikanischen Filmindustrie angetan habe um auf dem Laufenden zu bleiben, habe ich mir gedacht mal wieder zu meiner alten Jugendleidenschaft, den Eastern, zurück zu kehren und mich da mal wieder auf einen neueren Stand zu bringen. In meiner „Jugend“ habe ich Stunden mit den Shaolin und ihren 36 Kammern, betrunkenen Jackie Chans,  und den trashigen „Knochenbrechern“ verbracht und bin ein großer Fan des Genre.

Um den Einstieg habe ich mich einfach an einen Namen gehalten, der mir in der letzten Zeit durch den grandiosen „Ip Man“ im Gedächtnis geblieben ist, der Hong Kong-Action-Star Donnie Yen, und bin so bei „Wu Xia“ (aka „Dragon“ aka „The Swordsman“) von 2011 gelandet.

Worum geht es grob?

Im China des frühen 20 Jahrhunderts lebt der Papiermacher Liu Jin-Xi (Donnie Yen) mit seiner Frau und seinen zwei Kindern ein ruhiges, bescheidenes aber offensichtlich glückliches und zufriedenes Leben in seinem Dorf.

Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem zwei berüchtigte Verbrecher in dem Dorf aufschlagen, den Dorfladen überfallen und die Besitzer demütigen und verprügeln.  Liu Jin-Xi versteckt sich zunächst, sieht dann aber keinen anderen Ausweg als einzugreifen. Daraus resultiert eine chaotische Auseinandersetzung, an deren Ende die beiden Verbrecher durch scheinbar zufällige Umstände ums Leben kommen.

Der  quasi „Polizeichef“ erkennt den Tod der beiden als Unfall an und Liu Jin-Xi wird als Held und Retter des Dorfes gefeiert, aber ein der Ermittler Xu Bai-Jin   (Takeshi Kaneshiro), seineszeichen ein Experte für Physiologie und Akupunktur, ist skeptisch.

Er hat den Verdacht, dass es sich keinesfalls um einen Unfall halten könne, sondern er findet Indizien,  dass vielmehr Liu Jin-Xi insgeheim über meisterliche Fähigkeiten im Kampfsport verfügen müsse, um nicht nur diesen Kamp gewinnen, sondern sogar den Tod der Gangster wie einen Unfall aussehen lassen zu können. Zudem erfährt er, dass Liu Jin-Xi erst einigen Jahren im Dorf wohnt, er quasi von der Gemeinde adoptiert wurde und seine Vergangenheit im Dunkeln liegt.

So beginnt er, auf eigene Faust gegen Liu Jin-Xi zu ermitteln um dessen wahre Vergangenheit und damit ein dunkles Geheimnis ans Licht zu bringen.

„Wu Xia“ ist kein „Eastern“ im klassischen Sinne, in dem ausufernde Kung-Fu Szenen im Zentrum stehen. Vielmehr sind die Kampfszenen grade anfangs recht spärlich gesäht, aber dafür umso spektakulärer inszeniert. So beeindruckt der „alternative“ Ablauf des tödlichen Kampfes im Dorfladen von  Xu Bai-Jin sowohl durch die Kung-Fu Szenen als auch durch die CSI-mäßigen Effekte, anhand denen der Ermittler seine Mutmaßungen über den wahren Kampfverlauf begründet. Diese Erklärungen ,unterlegt mit Effekten  a la CSI oder Dr. House, ziehen sich durch den ganzen  Film und sind für mich eine gelungene Anlehnung des klassischen Easterns an den modernen Film.

Im weiteren Verlauf des Filmes zentriert sich die Handlung in erster Linie auf das höfliche Katz-und-Maus Spiel zwischen Donnie  Yen und Takeshi Kaneshiro. Auf der einen Seite der stille, zuvorkommende vermeintliche Papiermüller mit einer unbekannten, dunklen Vergangenheit, der er zu entkommen versucht, auf der anderen Seite der desillusionierte Ermittler, der nicht mehr an das Gute im Menschen sondern nur noch an die Regeln der Physiologie glaubt, und sich ohne moralische Reflexion einzig und allein der Wahrheit und dem Gesetzt verpflichtet fühlt.

Auch wenn der Film für mich grade zur Mitte hin einige Längen hatte, ist er doch insgesamt ganz großes Kino.

Vor beeindruckender historischer Kulisse werden, bis zum epischen Showdown mit den Dämonen der Vergangenheit, sowohl beeindruckend choreographierte, intensive Kampfszenen dargeboten als auch die ganz großen Fragen von Moral und Gesetz, Richtig und Falsch, Schuld und Sühne und das Recht auf Vergebung und Vergessen behandelt.  Getragen vor allem von dem Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller, die ihre Rollen mehr als überzeugend mit Charakter und Glaubwürdigkeit ausfüllen können.

Insgesamt ein sehr beeindruckender Film, der zwar einige Längen im Spannungsbogen zu verzeichnen hatte, die sich aber angesichts des intensiven Endes locker verschmerzen ließen.

Für einen echten Eastern gab es zwar relativ wenige Kampfsequenzen, diese waren aber entsprechend beeindruckend, sodass ich auch da ein Auge zudrücken kann.

Die Mischung aus Spannung, Action und Drama stimmte einfach, sodass ich mit gutem Gewissen eine gute (7,5 / 10) vergeben kann.

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