The Temptation of Being Stupid Again

By | 24. Februar 2014

Am Samstag Abend haben wir uns den ziemlich gelobten Science-Fiction Film „Ender’s Game“ angeguckt. Review folgt wenn ich Bock habe. Oder auch nicht.

Auf jeden Fall fand ich den Film einigermaßen ansprechend. War zwar etwas lahmarschig erzählt, aber das muss ja nicht zwangsläufig etwas Schlechtes, sein und die Bilder waren ziemlich beeindrucken. Allerdings hatte ich, ohne hier zu spoilern, dass Problem, den „großen Plot-Twist“ am Ende ziemlich frühzeitig während des Films erahnt zu haben. Und lag damit auch richtig. Die große Überraschung war daher keine wirkliche Überraschung für mich.

Macht den Film nicht schlechter, aber das dem zugrunde liegende Problem ist ja ein anderes: Man gewinnt durch alle Filme, Serien und Bücher, die man so konsumiert, an Erfahrungen dazu. Man lernt erzählerische Standards, filmische Grundlagen des Storytellings, Techniken des Spannungsaufbaus etcpp. und kann anhand derer bei vielen Filme die entsprechenden Muster erkennen und daraus auf den weiteren Verlauf des Filmes schließen.

Das liegt halt in der Natur der Sache von Erfahrungen und Lerneffekten, brachte mich aber auf die Idee, wie verlockend es manchmal sein könnte, bestimmte Filme, Serien, Bücher oder whatever ganz bewusst wie „seinen ersten Film überhaupt“ zu gucken.

Mir kam spontan die Idee einer Pille, die man im Kino zum Popcorn dazubekommen könnte, die alle vorherigen Filmerfahrungen lahmlegt oder ausblendet, sodass man den Film kindisch naiv „as is“ anguckt, ohne von Erfahrungen oder Erwartungshaltungen beeinflusst zu werden.

Die Tweets dazu sahen im Endeffekt so aus:

reolvermann tweets

Darauf kam von einem geschätzen Twitterkollegen und Filmfreund die Erwiderung: „it’s called being a kid.Impressionable and stupid. I’d rather see value in art. Comparability is what it makes it worth a damn“

Womit er natürlich nicht ganz unrecht hat.Der Mangel von Erfahrungen und die damit einhergehende leichte Beeindruckbarkeit sind klassische „kindliche Attribute“.

Allerdings , und hier setzte ich meine erste Kritik an, würde ich persönlich den Mangel einer relativ speziellen Lebenserfahrung (in diesem Fall das Wissen über Storytelling, Filme etc.) nicht mit Stupidity oder Dummheit gleichsetzen. Dazu ist mir der Begriff zu negativ konnotiert. Man ist nicht zwangsläufig dumm, nur weil man sich leicht für etwas begeistern kann oder man in einem bestimmten Bereich keine Erfahrungen hat.

Ich bevorzuge in diesem Kontext den Begriff Naivität, weil hier nicht automatisch so eine negative Grundstimmung mitschwingt. Natürlich kann man einem Naivität auch negativ vorwerfen, aber es beinhaltet auch die Interpretationsmöglichkeit, jemandem eine kindlich-positive Begeisterungsfähigkeit anzurechnen.

Zum zweiten Punkt der „Value in Art“ und „Comparability“. Das kann ich in erster Instanz natürlich auch unterschreiben.

Umso mehr als es überhaupt erst die Fähigkeit zu Vergleichen und auf Erfahrungen zurückzugreifen ist, die es uns als Menschen überhaupt befähigt eine Kunst, ein Handwerk oder was auch immer zu beherrschen und zu perfektionieren.  Der plötzliche Verlust von jeglichen Erfahrungswerten würde den Verlust von Kultur, von Kunst und Perfektionismus bedeuten.

Und natürlich finde ich es umso besser wenn ein Film es schafft, mich, trotz meiner Erfahrungswerte, noch zu überraschen, zu erschrecken oder mich zum Gruseln zu bringen. Das heißt für mich, es gibt noch kreativen Spielraum und es wurden noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Tolle Sache.

Das Problem ist nur: Es gibt ja gar keine andere Möglichkeit. Man hat nicht die Wahl und genau darauf wollte ich ursprünglich hinaus.

Ich will natürlich nicht nach jedem Film direkt wieder vergessen, worum es eigentlich ging und wie die Story erzählt wurde.

Trotzdem fände  ich persönlich die Idee reizvoll, die Möglichkeit zu haben einen Film, wie seinen ersten Film ever anzugucken. Durch die Augen eines Kindes gewissermaßen.

One thought on “The Temptation of Being Stupid Again

  1. sebastian

    Die Kaltschnäuzigkeit ist in erster Linie der begrenzten Zeichenanzahl geschuldet gewesen. Natürlich würde ich mangelnden Erfahrungsschatz nicht mit Dummheit gleichsetzen.
    Mir ging es darum, dass man als Kind mit kultureller Erfahrung gegen null alles, was auf einen einprasselt grandios findet, weil man es noch in keinen Kontext stellen kann.
    Mir wäre es auch lieber nur gute Kunst zu konsumieren, aber nicht zu dem Preis nicht mehr zwischen guter und schlechter unterscheiden zu können. Denn nur, wenn ich weiß was gut, mittel oder schlecht ist, macht eine Einsortierung und damit die Wertschätzung irgend einen Sinn.

    Dein Problem kenne ich natürlich sehr gut. Oft sieht man schon früh, wohin sich eine Geschichte hin entwickelt, bzw. welche beliebten erzählerischen Elemente verwendet werden. Das ermüdet.
    Vor allem tritt dieser Effekt natürlich im großen Blockbusterkino auf, der auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zielt. Vor allem aus diesem Grund bevorzuge ich die kleineren Filme, die versuchen etwas anders zu machen, zwar vom Production Value nicht mithalten können, aber interessantere Figuren haben und eine frische Geschichte erzählen. Jedenfalls werde ich dort erfahrungsgemäß eher fündig.
    Schafft es jedoch auch mal großes Hollywoodkino mich in dieser Form zu überraschen, ist das wirklich famos.

    Der Ansatz, eine Pille schmeißen zu wollen ist nur der falsche. Damit tust du genau das, was Hollywood von dir will. Deine Erwartungen herunter schrauben und „auf das Niveau der anderen herablassen“. Ich habe dazu ehrlich gesagt keine Lust und erwarte, dass Fernseh- und Filmemacher einen höheren Anspruch an ihr eigenes Werk haben.
    Die einzige Pille, die in dieser Situation wirklich Abhilfe schafft, ist eine Schlaftablette und der Gang ins Bett. Davon hast du sicherlich mehr, als einen Schlechten Film im Kino zu sehen. 🙂

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