„Achtung Satire“

By | 30. Juli 2014

– so muss man anscheinend heutzutage alles riesengroß kennzeichnen, was nicht 100%ig ernst gemeint ist.

Und selbst dann werden sich in diesem Internet, in dem grundlegende Recherche oder auch nur das Lesen von Text jenseits der 140 Zeichen aus der Mode kommt, Leute finden, die offensichtliche Satire für bare Münze nehmen und entsprechend als „Fakt“ behandeln, ernsthaft kommentieren und weiter verbreiten.

Was derzeit wieder in schöner Regelmäßigkeit die Runde macht sind „Fappy„, der „Anti-Masturbations-Delfin“ und das „Anti-Masturbation Cross“ für Kinder.

Vor allem Fappy dreht seit ca. 1 Jahr in kurzen Abständen seine Runden durch die sozialen Netze, gerne  auch gewürzt mit einer gewissen „Haha, guckt mal wie dämlich die Amis sind“ Überheblichkeit.

Was mich irgendwie am meisten stört ist die Tatsache, dass beide Stories innerhalb von Minuten als Satire zu erkennen sind. Einfaches googeln oder ein kurzer Blick aufs Impressum der Quelle geben da meistens schon Gewissheit, einen gut gemachten Fake vor sich zu haben. Die meisten Satireseiten überschreiben ihre Artikel zwar nicht in großen roten Buchstaben mit „SATIRE“ aber geben sich in ihrer ganzen Aufmachung meist schon, wie auch der deutsche „Postillon“  eindeutig als solche zu erkennen.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang imho auch, dass es häufig die gleichen Blogs, Twitterer oder News-Aggregatoren sind, die sich einerseits gerne über die dummen Kommentare von Facebook-Usern beim Postillon lustig machen, andererseits aber „Fappy“ und Konsorten auf den Leim gehen. Irony, isn’t it?

Ich meine, heutzutage muss man als Blogger halt schnell sein, wenn eine Story viral geht, um ganz oben bei der digitalen Verwertungskette mitzumischen. In der Zeit, die man für Recherche aufwenden müsste, ist der entsprechende Beitrag/Tweet/Facebookpost schon geschrieben. Grade wenn man versucht damit Geld zu verdienen können Minuten entscheidend sein und anscheinend ist es schlimmer, bei einer echten Story nicht dabei gewesen zu sein, als eine falsche Story schnell zu verbreiten.

Bleibt die Frage, wie gehe ich damit um, wenn so eine Story wieder die Runde macht?

Wenn mir im Netz mal wieder eine Story begegnet, die zu bizarr klingt um wahr zu sein, versuche ich es erstmal zu verifizieren. Google ist dein Freund. Meistens hat es sich damit schon erledigt, weil die einzige Quelle sich selber als Satire zu erkennen gibt. Bei verdächtigen Fotos, die nach Photoshop riechen, nutze ich gerne „TinEye„. Eine Reverse Image Search Engine, womit sich die plumpesten Manipulationen auch enttarnen lassen.

Ich habe ja prinzipiell nix gegen eine gute Satire oder einen gut gemachten Photoshop, aber ich habe manchmal ein Problem damit, wenn es allzu leicht von zu vielen Leuten ungeprüft übernommen und weiterverbreitet wird. Bei harmlosen Gags entsteht dadurch ja kein Schaden, aber trotzdem bin ich ein Freund davon, Manipulationen auch als solche erkennbar zu machen. Photoshop ist ja mittlerweile auch eine beliebte Waffe im Propagandakrieg, deswegen finde ich ist eine Sensibilisierung dieser Möglichkeiten sehr wichtig.

Wenn nur eine harmlose Satire die Runde macht, mische ich mich meist schon nicht mehr ein. Die meisten werden früher oder später merken, dass die Story nicht der Realität entspricht und ich hab auch keinen Bock darauf, mich irgendwie als „Haha, check mal deine Fakten, ich bin viel informierter als du“-Oberlehrer aufzuführen.  Bei manipulierten Fotos, die in großer Zahl verbreitet werden und klar einen propagandistischen Zweck verfolgen bin ich da schon aktionistischer. Da mische ich mich schon ein und versuche „aufzuklären“, einfach um zu verhindern, dass eine Fehlinformation als Fakt durchgeht und auch, wie gesagt, um zu sensibilisieren.

Wie oben schon geschrieben, meist ist durch simples Googeln oder die Benutzung von TinEye oder Google Image Search eine Story schon verifiziert oder falsifiziert.

Diese paar Minuten Grundlagenforschung sollte man schon investieren.

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