Und jetzt?

By | 22. April 2014

Die Überschrift steht für meine derzeitige Situation. Nicht fasst meine aktuelle Gemütslage so knapp und doch so treffend zusammen wie sie simple Frage:“Und jetzt?“

Es ist die Quintessenz der Fragen nach dem „Wie geht’s weiter? Wo will ich hin? Was soll/will ich machen?“ die sich grade wie ein Kreisel in meinem wachen und schlafenden Bewusstsein unermüdlich um sich selber dreht.

Aber zuerst zur Analyse der Ausgangsposition. Wieso bin ich da, wo ich jetzt bin?

Ich bin geflüchtet, dass trifft es glaub ich sehr gut. Nach einigen mehr oder minder erfolgreichen Jahren an der Uni bin ich geflüchtet. Vor der Uni, vor der Angst vor Prüfungen, vor emotionalen Katastrophen.

Paradoxerweise habe ich aus Angst vor dem Versagen mein eigenes Versagen vorweggenommen. Wahrscheinlich fühlte es sich dadurch weniger wie ein Versagen an. „Ich habe mich ja selbst aus freiem Willen dazu entschieden, ich hatte alles selber in der  Hand“ – aber es bleibt ein Versagen, eine Kapitulation.

Geflüchtet von der Uni, aus der Stadt, nach Nürnberg, zur IT-Ausbildung in die Arme der nächstbesten Ausbeuter-IT-Klitsche, die mich genommen hat. Froh, überhaupt im 3. Anlauf noch was Neues anfangen zu können hab ich zwar schnell kapiert, an was für Sklaventreiber ich geraten war, aber was sollte man machen? Wieder kapitulieren? Wieder aufgeben, hinschmeißen und dann irgendwann mit Anfang 30 mit HartzIV im Hotel Mama wohnen und auf die nächste Umschulung warten? Oder aushalten und weiter Scheiße fressen? „Hauptsache, man hat mal was!“ Die Firma wusste ganz genau, wie weit sie gehen konnte mit Leuten, die sich quasi in ihrer „letzten Chance“ wähnten.

Ich hab ausgehalten. Trotz Arbeit bis zum Fast-Burn-Out unter Mindestlohn-Niveau. Obwohl mir bewusst war und ist, dass ich mich weit unter meinen Möglichkeiten, meinen Ansprüchen an mich selber verkaufe.

Aber trotzdem. „Man braucht ja was Handfestes, ohne Abschluss ist man ja nix.“ Wenigstens die Prüfung schaffen, ein bisschen Geld verdienen, dann findet sich schon was anderes.

Aber gefunden habe ich nichts weiter als einen unbefriedigenden Zwischenzustand zwischen Resignation und Frust. In den Mühlen einer Branche, die mich nicht fordert und fördert und auf die ich keinen Bock mehr habe, ja eigentlich nie hatte. „Irgendwas mit IT“ – Basteln, frickeln, reparieren lag mir halt schon immer, daher lag das nah. Aber diese „das liegt mir ja ganz gut“ Einstellung hat ja mit der Praxis im IT Betrieb ja nichts zu tun.

Und jetzt? Jetzt seh ich mich intellektuell eingepfercht am untersten Ende der IT-Verwertungskette, belohnt mit viel zu wenig Schmerzensgeld und konsequenter Ignoranz gegenüber meinen Leistungen. Sackgasse.

Mein Vertrag endet am 30.06. Bisher wurde mir vor Weihnachten inoffiziell mitgeteilt, dass man mich gerne übernehmen würde, seitdem kam nichts mehr.

Aber ich will das nicht. Ich möchte hier nicht weiter mein Potential und mein Seelenheil verheizen.

Das aktuelle Tief ist bedingt durch eine Absage einer Agentur, in der mir ein Freund quasi ein Vorstellungsgespräch vermittelt hat. Was für mich Fachfremdes quasi, eine neue Perspektive.

Was mich so runterzieht ist gar nicht die Absage als solches. Das Gespräch war nett und das Feedback zu meiner Person war durchaus positiv. Die Umstände hatten sich halt geändert, es hat einfach nicht sollen sein. Hätte alles schlimmer kommen können und ich hatte gar nicht so konkrete Erwartungen da hinein interpretiert.

Was es so emotional anstrengend macht: Ich sah darin eine echte Alternative. Eine Möglichkeit, aus dem IT-Sumpf rauszukommen. Ein neues, positives Umfeld. Wie gesagt, es ist nicht die Absage als solche, die mich so runterzieht. Es ist das Erlöschen dieser Alternative, die mich so ein bisschen unvorbereitet erwischt hat. Denn: Was bleibt jetzt?

Stellenanzeigen in der IT. Alle irgendwie gleichgeschaltet. Support muss man leisten können. Windows, Office, Hardware. Alles der gleiche Bullshit. Kann ich nicht mehr. WILL ich nicht mehr.

Ich weiß grad einfach nicht, wohin mit mir.

Und jetzt?

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