The Purge

By | 5. November 2013

Gestern habe ich, was ich schon länger vorhatte, „The Purge“ mit Ethan Hawke und Lena Headey von meiner Watchlist gestrichen und ich muss sagen, ich wurde positiv überrascht.

Worum geht es?

Die USA im Jahre 2022 werden, wohl nach einem nicht näher betrachteten politischen und/oder gesellschaftlichen Umsturz,  von den „Neuen Gründervätern Amerikas“ regiert. Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit liegt bei knappen 1% und Kriminalität ist de facto nichtexistent. Um den Status zu erreichen oder zu halten, findet einmal im Jahr die „Purge-Nacht“ statt.  Von 19 Uhr Abends bis 7 Uhr am nächsten Morgen wird das Gesetz ausser Kraft gesetzt, es herrscht quasi Anarchie. Alle Notrufe sind abgeschaltet, alles ist erlaubt, jeder ist auf sich allein gestellt.

Dies soll den Menschen die Möglichkeit geben, die im innewohnende Gewalt jährlich in einer Nacht konzentriert auszuleben, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, sodass sie den Rest des Jahres wieder freundliche, friedliche und produktive Mitglieder der Gesellschaft sein können.

Diese Methode mag uns recht fragwürdig erscheinen, wird jedoch von den Protagonisten des Films nicht kritisch hinterfragt. Es ist halt der Status quo und man ist der Meinung, es funktioniert und sei zum Besten der Gesellschaft. So berichten die Medien begeistert über die anstehende Reinigung, Anrufer werden nach ihren „Mordplänen“ für die Nacht gefragt und es wird begeistert Material von Überwachungskameras kommentiert. Nur der Teenager-Sohn der Familie legt (noch?) andere moralische Maßstäbe an und stellt zumindest kritische Fragen.

Mitten im Geschehen ist die neureiche Familie Sadin. James Sadin, der Familienvater, ist mit dem Verkauf von Sicherheitssystemen zu einem Batzen Geld gekommen und hat auch das Anwesen der Familie mit einem „State of the Art“ System geschützt.

Das scheint das System zu sein: Leute, die es sich leisten können, sitzen die „Purge“ in ihren gesicherten Häusern aus, sodass die Reinigung fast ausschließlich Arbeitslose, Obdachlose oder sonstige Verlierer der Gesellschaft trifft.

Die Sadins zumindest beobachten nach Beginn der Reinigung das Geschehen rund um ihr abgeschottetes Haus auf Überwachungsmonitoren – bis der Sohn der Familie einen Moralischen kriegt und einem verletzen und von einer Horde mordender, privilegierter Mittzwanziger gejagten „Opfer“ ins Haus lässt um ihn zu retten.

Ab diesem Zeitpunkt beginnt auch für die Sadins „The Purge“ und zwar in ihren eigenen vier Wänden. Die Gruppe (eine Art Horde von American Psychos auf Speed) verlangt, ihrem „verfassungsmäßigem Recht der Reinigung“ nachgehen zu dürfen und stellt ein Ultimatum: Entweder die Sadins liefern den Verletzen aus, oder die gesamte Familie rückt auf die Tötungsliste.

Ab diesem Zeitpunkt folgt eine dunkle, brutale und spannende Belagerung der Sadins die sich, plötzlich in der Opferrolle, gegen die blutrünstigen Eindringlinge zu Wehr setzen müssen.

Ich war vor dem Film von den eher mäßigen Kritiken etwas abgeschreckt, aber ab diesem Zeitpunkt wurde er spannend wie wenige Filme der letzten Zeit. Bis zum Schluss ist nicht klar, wer in welcher Konstellation gegen wen vorgeht und ob die Familie nicht sogar doch komplett der Reinigung zum Opfer fällt.

Seit „The Cube“ habe ich, glaube ich, nicht mehr so mit den Protagonisten mitgefiebert, auch wenn die schauspielerische Tiefe von Ethan Hawke und Co etwas besser hätte sein können. Der Film lebte für mich nicht so sehr von den Charakteren, die streckenweise sehr stereotypisch angelegt waren, sondern von der Spannung. Der Unsicherheit, der Unwissenheit wie es jetzt weitergeht und wer bzw. ob überhaupt jemand überlebt.

Allzu zartbesaitet sollte man nicht sein, wenn man sich „The Purge“ anschauen möchte, es kratzt ganz schön am Nervenkostüm.

Auch sollte man nicht erwarten, eine klare Antwort auf die Frage nach dem Warum, dem Pro und Kontra oder der moralischen Rechtfertigung der Reinigung zu bekommen. Diese werden im Film nur in Nuancen, situationsbedingt angeschnitten. Vielmehr sollte sich das Pro/Kontra Szenario im Kopf des Zuschauers abspielen, vielleicht mit der Frage im Hinterkopf, ob es wirklich so unmöglich oder unvorstellbar ist, dass so eine Dystopie nicht doch Realität werden kann.

7 out of 10 stars (7 / 10)

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